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Maison des Anges Haiti, Förderverein Kinderheim Maison des Anges, 5645 Aettenschwil, Schweiz

Reiseblog November 2018

«Pollo o Pasta, señor?»

Maison des Anges

Verrückt, wie eine so einfache, belanglose Frage von zwei Menschen grundverschieden wahrgenommen wird… Zuhause erwarten uns also Entscheidungen, und zwar von der Sorte, die einem eigentlich gar nicht interessieren. Ob das Wasser nun Kohlensäure haben soll oder nicht… Nach so einer Reise vorerst mal völlig gleichgültig. Ich lehne das Essen mit einer bestimmten, aber freundlichen Handgeste ab.

Zuhause – da, wo es anscheinend sehr kalt ist – befindet sich die Welt im Lot… wir horizontal im Bett. Gegen Jetlag gibt’s halt dann doch kein Medikament. Während wir uns mit vielen Seufzern langsam an die hiesige Zeit gewöhnen, lassen wir die Ereignisse nochmals Revue passieren. Vor allem die Übergabe der Patenschaftsgeschenke und das situationsbedingt verfrühte, etwas verkleinerte Fest für den Geburtstag von Gladys hinterlassen bei Allen schöne Erinnerungen.

In Haiti halten die Demonstrationen noch immer an. Zwischen vereinzelten, koordinierten Erholungsphasen, in denen die Haitianer ihren täglichen Pflichten nachgehen können, widersetzt sich das Volk mit aller Kraft gegen die Regierung. Präsident Jovenel Moïse hat inzwischen bekannt gegeben, dass er nicht weichen werde, und dass man das Gespräch mit allen Opportunisten suchen wird, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Wann und wie die Demonstrationen enden werden, ist noch völlig unbekannt. Bis dahin verweilt das Land in einem Zustand, in dem die Abwesenheit der Polizei an einen Staat mit Anarchie erinnert.

Wir möchten allen danken, die uns gedanklich oder im Gebet unterstützt haben.

Pläne in Haiti - ist das denn erlaubt?!

Maison des Anges

«Please present your ESTA-Numbers”, sagt die Dame von American Airlines. Mit einer unbeschreiblichen Eile weisen alle ihre ESTA-Formulare für die Einreise in die USA vor, lediglich Cécile fragt verdutzt, was denn bitte ein ESTA sein soll? Ein paar sehr lange Sekunden vergehen, bis uns allen bewusst wurde, dass Cécile, die bereits vor uns angereist war, gar kein ESTA-Formular hat. Die situationsbedingte Abreise aus Port-au-Prince in die USA ist ihr somit verweigert, die Dame hinter dem Schalter könne nichts tun. Da die Chance, in den nächsten 30 Minuten ein genehmigtes ESTA-Formular zu erhalten, sehr minim ist, haben wir entschieden, dass Milou und ich zusammen mit Cécile den nächstmöglichen Flug nehmen. In einer Windeseile – es war bereits dunkel – fuhr der Chauffeur des Maison des Anges zum Flughafen und wieder zurück ins Kinderheim, während sich die anderen vier auf zum Flugzeug nach Fort Lauderdale machten.

Unsere Pläne wurden endgültig und vollständig durchkreuzt. Am Mittwochnachmittag bittet uns Gladys, uns bei unserer Botschaft zu melden und eine Ausreise in Betracht zu ziehen. Über mehrere Stunden hinweg wird telefoniert, gechattet und gegoogelt. Verschiedene Botschaften sind bereits zu und die meisten unserer Bekannten vor Ort empfehlen ebenfalls eine sofortige Ausreise. Mit den zunehmenden Spannungen wird die Lage allmählich unberechenbar, bevor wir allerdings noch am selben Tag abfliegen (bzw. eben nur ein Teil der Gruppe) überreichen wir Gladys ihr Geschenk zu ihrem 70. Geburtstag. Dass drei von uns später vom Flughafen wieder zurückkehren werden, wissen wir noch nicht.

Mittlerweile ist bereits wieder ein ganzer Tag vergangen. Erst gestrandet und ohne Plan in Fort Lauderdale gelandet, haben wir uns schlussendlich entschieden, die restlichen 3 Tage zu bleiben und Miami zu erkunden. Da unsere Flüge am Montag sowieso ab Miami nach Hause fliegen, deckt sich der Aufenthalt hier für einmal doch mit unseren Plänen. Unsere Gefühle allerdings sind durchmischt. Einerseits erleichtert, aus der Gefahrenzone zu sein, andererseits traurig über die abrupte Abreise und die nicht erledigten, geplanten Vorhaben in Haiti. Die 3 Tage «Entspannung» in Miami hilft jedem von uns, unsere Lage zu akzeptieren, zu verarbeiten und uns auf das alltägliche Leben in Europa vorzubereiten.

Ein weiterer Tag hinter Stacheldraht

Maison des Anges

Dank ihren gedämpften Adiletten ist es absolut ruhig im Raum; einzig das Dröhnen der Klimaanlage stört die Stille. Im eben geöffneten Schrank nimmt die Krankenschwester eine dubiose Ampulle heraus. Auf dem Tisch liegen eine Schere, Pflaster und Watte. Ich liege auf der Krankenstation – oder besser «sitze» in der Krankenstation. Was eine Bagatelle in der Schweiz ist, sollte hier in Haiti wohlbehandelt werden, auch wenn es sich nur um einen kleinen Schnitt handelt. Ausserdem, wer kann schon behaupten, in Haiti auf einer Krankenstation gewesen zu sein…

Die Lage ist ruhig. Da die Schulen in Port-au-Prince grösstenteils noch immer geschlossen sind, haben wir genügend Zeit, uns mit den Kindern zu verweilen. «Remy, Remy!», ruft Santana. Wenn man dann nicht losrennt, um sie zu fangen, riskiert man einen gut koordinierten Überfall auf einen selbst. Und liegt man einmal am Boden, bleibt man am Boden – viele kleine Kinder haben dann doch viel mehr Gewicht, als man denkt. Jonathan erzählt mir, dass er Polizist werden möchte und dass er, wenn ich ihm einen Eimer Farbe kaufe, den Maison des Anges-Baum im Innenhof um ein paar Pflanzen und Tiere ergänzen würde. Seine Aufmerksamkeit und das Verständnis für die kleineren Kindern überwältigen mich. Es wirkt, als wäre er der verantwortungsvolle, ältere Bruder für viele im Kinderheim, und dabei ist er erst 13 Jahre alt. Menschlichkeit ist kein Privileg der Reichen, Menschlichkeit ist Nächstenliebe – und davon gibt es hier zu Hauf.

Während wir alle auf der Veranda sitzen und uns ausruhen, strömt eine schwarze Wolke von Rauch über das Kinderheim. Wenige Sekunden später erscheint Claude, unser Wachmann, mit seiner Waffe in der Hand. Noch ist unklar, um wie viele Demonstranten es sich handelt. Gerade möchte ich auf die Treppe im Innenhof steigen, um ein Foto zu machen, als mich Claude mit halb-lauten, aber bestimmten Worten sofort wieder herunter befahl. Wir dürfen uns nicht exponieren, das sei absolut unverantwortlich. Zwei Fotos sind in dieser von Adrenalin geprägten Situation allerdings doch entstanden:

Mittlerweile wird gemunkelt, dass Jovenel Moïse, der Präsident, nach Bolivien flüchten will. Ob das bedeutet, dass die Unruhen sich legen, weiss noch niemand. Bei uns ist es jetzt Mittwochmorgen. Momentan ist noch nicht entschieden, ob wir heute raus können.

Eine ruhige Kugel schieben...

Maison des Anges

Was macht man, wenn man einen ganzen Tag abgetrennt hinter Mauern verweilen muss? Ganz einfach: Man läuft mit einem Kartenspiel in der Hand einmal durchs Kinderheim und zack! – schon hat man eine nicht ganz so geregelte Runde UNO. Haitianer sind bekanntlich temperamentvoll, ganz besonders gewisse Kinder. Ob man dann gewinnt oder nicht spielt dabei keine Rolle.

Die Lage in Port-au-Prince hat sich heute nicht verbessert. Unser geplanter Ausflug zur Organisation «Compassion» mussten wir streichen. Im Moment heisst es, innerhalb der sicheren Mauern des Maison des Anges auf Ruhe zu warten. Mit der Ansage des Rücktritts des haitianischen Präsidenten eine nicht leicht einschätzbare Situation. Unsere Volunteer Cécile Piller, die gestern aufgrund der Ausschreitungen nicht ins Kinderheim zurückkehren konnte, wurde heute Morgen mit einer Polizeieskorte durch Port-au-Prince begleitet. Seht selbst:

Im Heim verlief der Tag ruhig. Während Emma und Lautana mit den Kindern Sockentiere basteln, zeichnet Cécile mit den etwas Jüngeren schöne Bilder. Nach dem Mittag steht neben der Informationsbeschaffung bezüglich momentaner Lage auch das Übersetzen der Patenschaftsbriefe an. Es ist erstaunlich, wie Kinder in so wenigen Sätzen so viele Emotionen und Dankbarkeit unterbringen können.

Am Abend findet sich die ganze Crew im Schlafsaal der Kinder wieder, um gemeinsam mit allen eine Geschichte zu lesen und einige Lieder zu singen. «Tic et Tic et Tac, coucou» schallt es durch die Räume im Kinderheim. All die vielen Kinder gehen zu Bett. Zu Bett, unwissend darüber, was in ihrer unmittelbaren Nähe geschieht. Noch während ich diesen Satz zu Ende schreibe, donnern uns Schallwellen von Gewehrkugeln um die Ohren – einige davon direkt vor dem Maison des Anges. Ob die Einheimischen mit ihrer Befürchtung, morgen werde es noch schlimmer, recht behalten, wird sich zeigen. Auch wenn unser Reiseplan über den Haufen geworfen wurde, die Zeit mit den Kindern des Heims ist Seelenpflaster und Hoffnungsträger zugleich. Im Maison des Anges scheint noch immer die Sonne.

Friedensinsel Kinderheim Maison des Anges

Maison des Anges

«I will double-check every few minutes and keep you up to date», verspricht uns eine Flight Attendant. Der Flug nach Port-au-Prince ist geprägt von Ungewissheit. Ungewissheit, ob wir den Flughafen vor Ort überhaupt verlassen können. Hintergrund ist der «Jour de la Bataille de Vertières» (Schlacht von Vertières),  der vor 215 Jahren zwischen den französischen und haitianischen Militärs ausgefochten wurde. Sie gilt als letzte grosse Schlacht des Zweiten Unabhängigkeitskrieges von Haiti und ist heute ein nationaler Feiertag. Da die Spannungen in Haiti noch immer präsent sind, werden solche Feiertage genutzt, um zu Demonstrieren. Für heute sind alleine für Port-au-Prince über 3'000 Polizisten aufgeboten worden, und an vielen Orten stehen UN-Friedenstruppen mit ihren blauen Helmen – nicht selten auch mit Panzern. Verrückt, wie ein so altes Ereignis noch immer eine ganze Nation prägt. Noch während dem Landeanflug erfahren wir, dass die sogenannten «Blocus» erst auf den Mittag angesagt sind. Auch wenn unsere Ankunftszeit auf ca 11:00 festgelegt ist, scheint die Spannung im Kinderheim gross zu sein. Victoria ist sich sicher, bei unserem Fahrer – einmal im Kinderheim angekommen – eine Träne gesehen zu haben.

Die Begrüssung im Maison des Anges ist wie immer atemberaubend. Hat man ein Kind in den Armen, klammern sich bereits vier Weitere um unsere Beine. Die Freude, die man den Gesichtern der Kinder entnehmen kann, ist unbeschreiblich. Von den Unruhen rund um uns in Port-au-Prince ist im Kinderheim nichts zu spüren. Das Maison des Anges erweist sich einmal mehr als Friedensinsel in mitten einer von Hektik, Korruption und Armut geprägten Stadt.

Wartezeit mit Kinderplausch

Maison des Anges

Während sich normale Passagiere direkt zum Gate begeben, findet man auf dem Weg dahin eine von Kinderspielzeug begeisterte Reisegruppe. Miranda, Wikki, Lautana, Silas, Emma und Remy finden ihren Spass während der Wartezeit auf dem Kinderspielplatz…

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Unser Flug geht am 13:10 über London und New York nach Haiti. Die Wartezeit von ca. 12 Stunden am JFK werden wir in einem Hotel verbringen.